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Der Wilhelmsschrei alias Wilhelm scream in Jackie Chans Filmen

Jackie Chans Filme sind in vielerlei Hinsicht einzigartig. Nicht nur wegen der Stunts und der erfolgreichen Kombination aus Action und Comedy. Ein Markenzeichen des chinesischen Schauspielers und Filmemachers sind seine Outtakes während des Abspanns. Doch auch ein echter Hollywood-Insider hat sich in ein paar chantastische Filme eingeschleust, der seit den 1950er Jahren sein Unwesen treibt – der Wilhelmsschrei.

Der Wilhelmsschrei, im Englischen als Wilhelm scream bekannt, ist ein Soundeffekt, der Teil einer kommerziellen Klangbibliothek für Filmschaffende darstellt. Bei der Post-Produktion von Filmen und TV-Serien wird auf Klangbibliotheken zurückgegriffen, um den Originalton vom Set noch durch künstlich erzeugte Sounds zu verstärken.

Solche Soundeffekte können Schläge, Pistolenschüsse, spazierende Menschen, Rufe, Tierlaute und vieles mehr sein. Ebenso ein Schrei eines leidenden/sterbenden Mannes. In Filmen kommt solch eine Szene und damit der Laut recht häufig vor, doch 1951 gab es wohl den markantesten akustischen Todesausstoß der Geschichte: den Wilhelmsschrei.

Jackie Chan & der Wilhelmsschrei

Über den berühmten Wilhelmsschrei

Erstmals wurde er in einer Szene im Film »Die Teufelsbrigade« (1951) aufgenommen, als ein Mann von einem Krokodil gefressen wurde. Der Schrei wies einen so hohen Wiedererkennungswert auf und ging durch Mark und Bein, dass er von Sounddesignern seitdem öfter zum Einsatz kam. Bis heute soll der Effekt in über 400 Produktionen verwendet worden sein und stellt mit einem Ausruf eines Adlers einen der bekanntesten Toneffekte aller Zeiten dar.

Namensgeber des Wilhelmsschreis ist eine Nebenfigur im Film »Der brennende Pfeil« von 1953, eben mit dem Namen Wilhelm, der diesen Schrei ausstößt, als er auf einem Pferd reitend von einem Pfeil getroffen wird. Der Sounddesigner von »Krieg der Sterne« (1977), Ben Burtt, stolperte im Archiv während der Produktion des Star-Wars-Universums über den Sound und nahm an, dass er dort das erste Mal verwendet wurde. Auch wenn der Effekt zuvor öfter seinen Einsatz bekam, erst mit der Veröffentlichung von »Krieg der Sterne« und dem daraus resultierenden Hype gelang es dem Schrei zum Kultstatus unter Filmfans und Filmemachern.

So ganz zurückverfolgen lässt sich der Originalschrei nicht mehr, auch weil mehrere solcher Schreie für den Film »Die Teufelsbrigade« (1951) für die Post-Produktion aufgenommen wurden. Aber heute gilt Schauspieler Sheb Wooley als Urheber des Kultlauts. Übrigens darf der Sound mittlerweile frei genutzt werden, da er nicht lizenzierbar ist.

Der Wilhelm scream in Jackie Chans Filmen

Und wie verläuft sich der Wilhelmsschrei aus Western-Filmen der 1950er jetzt in Filme mit einem ostasiatischen Hauptdarsteller? Indem man diesen in Hollywood-Filme steckt und Sounddesignern ihren Freiraum lässt.

Bisher sind vier Filme mit Jackie Chans Beteiligung bekannt, die den berühmten Wilhelmsschrei auf ihrer Audiospur haben: »The Big Brawl« (1980, dt: »Die Große Keilerei«), »Kung Fu Panda« (2008), »The Spy Next Door« (2010, dt.: »Spy Daddy«) und »Skiptrace« (2016).

Vielleicht gibt es tatsächlich weitere Chan-Filme mit dem Wilhelmsschrei. Kennen Sie einen? Dann lassen Sie es mich gerne wissen und die Liste wird vervollständigt. Bis dahin gibt es die jeweiligen Szenen in diesem Video zu bestaunen. Hätten Sie es rausgehört?

 

 

Dies ist die allererste Szene mit dem originalen Wilhelmsschrei aus "Die Teufelsbrigade" (1951):

Und dies ist die berühmteste Szene mit dem Wilhelmsschrei, die Ben Burtt für die erste überhaupt hielt, aus dem Film "Der brennende Pfeil" (1953):

Text © Thorsten Boose

Letzte Änderung dieser Seite: 16.11.2019 15:14 Uhr

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Über den Autor

Thorsten BooseJackie Chans Filme und das Hongkong-Kino allgemein haben mich früh geprägt. Heute verbinde ich meine Leidenschaft zum Film mit dem Beruflichen, indem ich über die Hongkong-Filmlegende schreibe. Dabei habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, rund um Jackie Chan als Experte und Historiker für deutschsprachige Fans für Aufklärung zu sorgen.

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Thorsten Boose (*1986), Jackie-Chan-Filmexperte und Autor mehrerer Bücher über die Hongkong-Filmlegende.

Seit 2008 bin ich schriftstellerisch aktiv. Schon vor und während meines Designstudiums habe ich mich mit den unterschiedlichsten Textarten freiberuflich auseinandergesetzt. Seitdem übernehme ich Auftragsarbeiten aus allen Bereichen der Text- und Konzeptionsarbeit. Neben bisher über 50 Publikationen in unterschiedlichen Themenbereichen arbeite ich zudem kontinuierlich an eigenen Büchern, eBooks und Theaterstücken.

Als Ausgleich zur zeitfressenden, aber spannenden Arbeit als Jackie-Chan-Filmexperte und Historiker widme ich mich auch der Kampfkunst. Neben Kickboxen betreibe ich auch Wing Chun und verinnerliche die Lehren von Bruce Lees Jeet Kune Do. Wie Jackie Chan in seinen Filmen gehe ich so aus Leidenschaft meinem eigenen Stil nach.

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