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Sensation: Jackie Chan in alter Bill-Cosby-Fernsehserie aus den 60ern entdeckt!

Es mag unwahrscheinlich klingen, aber es ist wahr: ein junger Jackie Chan versteckt sich in einer Folge der 60er Jahre Erfolgsfernsehserie „Tennisschläger und Kanonen“ (engl.: „I Spy“) mit Robert Culp und Bill Cosby in den Hauptrollen. Dass der damals 11-jährige Jackie Chan und einige seiner Freunde in einer US-TV-Serie auftauchte, dürfte als großer Zufall gelten – oder war es doch gute Recherchearbeit der Produzenten?

Bill Cosbys Karrierestart in „Tennisschläger und Kanonen“ (engl.: „I Spy“)

Die 60er Jahre waren nicht nur wirtschaftliche Wunderjahre für die westlichen Nationen sondern auch was die Entwicklung der Fernsehtechnik und der Unterhaltungsbranche anging. Wurde in Europa erst um 1967 das Farbfernsehen eingeführt, so durften sich die fortschrittlichen US-Amerikaner nach Jahren der Weiterentwicklung ab 1953 schon auf regelmäßige Fernsehprogramme in Farbe freuen.

„Farbe“ könnte die Überschrift dieses Jahrzehnts generell lauten, das gesellschaftlich dank der Bürgerrechtsbewegungen und Namen wie Martin Luther King den Höhepunkt in der öffentlichen Diskussion um Rassengleichheit und somit „Farbe“ fand.

Dies bekam auch ein junger Bill Cosby zu spüren. Angefangen als Komödiant, der auf Bühnen auftrat und eigene Platten aufnahm, erarbeitete er sich als Afroamerikaner schnell eine hohe Position im US-Entertainment. Der damals erst 27-jährige, jedoch bereits Grammy-ausgezeichnete Entertainer erhielt 1965 die zweite Hauptrolle in der Fernsehserie „Tennisschläger und Kanonen“ (engl.: „I Spy“) und bekam es mit Rassismus zu tun. Denn in einigen südlichen US-Staaten wurde die Serie deshalb nicht ausgestrahlt.

Das US-Fernsehen in Hongkong 1965

Dabei ist die NBC-Serie alles andere als rassistisch, eher sehr weltoffen und mondän. In „Tennisschläger und Kanonen“ geht es um zwei Agenten des SSA (Special Services Agency), die verdeckt als Tennisprofi und Trainer durch die Welt reisen und im Untergrund heikle Fälle lösen. Das Intro prägen viele Schriftzüge, die Hauptstädte rund um den Globus zeigen. Und in den ersten Folgen geht es in die Millionenmetropole Hongkong.

Hongkong befand sich in den 1960er Jahren noch unter britischer Flagge, was die Stadt zum Tor Asiens machte. Hier im Hafen wurde nicht nur mit weltweiten Ressourcen Handel getrieben, auch die einheimische Wirtschaft florierte dadurch. Dieses Bild wird anhand von detaillierten und liebevoll ausgearbeiteten Aufnahmen vieler Hongkonger Örtlichkeiten in den ersten Folgen der Fernsehserie klar. Tolle Aufnahmen für reisefreudige Fans von Hongkong!

In Folge 9 von Staffel 1 mit dem Titel „Ein Schiff kam nach Hongkong“ (engl.: „No Exchange on Damaged Merchandise“) befinden sich die beiden Agenten eigentlich schon in Tokio. Sie hängen mit ihrer Arbeit etwas hinterher, weshalb sie einen Bericht abtippen müssen, der die Vorfälle vor Wochen in Hongkong zusammenfassen soll. Der Zuschauer wird hierbei Zeuge einer Rückblende, die die beiden Agenten durch halb Hongkong begleitet, auch zu einem ominösen Straßenfest, das zu der Zeit wirklich in Hongkong stattfand.

Hier die ganze Folge auf englisch; danach weitere Infos zu dem Straßenfest.

#1.9 „No Exchange on Damaged Merchandise“ (ganze Folge auf englisch)

Der „Seven Little Fortunes“-Auftritt von 1965

Wer die Seven Little Fortunes sind, habe ich näher im Artikel „Aufgeklärt: Jackie Chan ist nicht in „Come Drink With Me“ („Das Schwert der Gelben Tigerin“) von 1966 zu sehen“ beschrieben (hier klicken). An dieser Stelle sei deshalb nur erwähnt, dass diese Akrobatikgruppe aus Hongkong die traditionelle Chinesische Oper erlernte und damit die Zuschauer allen Alters begeisterte.

Diese Bestentruppe um Meister Yu Jim-Yuen bestand aus mehr als sieben Mitgliedern, von denen aber immer nur sieben gleichzeitig einen Auftritt hatten. Die berühmtesten der Seven Little Fortunes sind Sammo Hung, Jackie Chan und Yuen Biao – die viele Jahre später in ihrer Karriere als die Drei Brüder berühmt werden sollten.

Die Akrobatikgruppe Seven Little Fortunes trat regelmäßig in der Öffentlichkeit auf, vor allem im Lai Chi Kok Freizeitpark in Hongkong. Allerdings spürte auch das britisch-geführte Hongkong die Folgen der Wirtschaftswunderjahre, und so war die traditionelle Chinesische Oper aufgrund von Film, Fernsehen und Musik nicht mehr so beliebt. Die Betreiber der Drama-Schulen mussten sich etwas Neues überlegen. Neben traditionellen Straßenfesten, für die sie weiterhin gebucht wurden, verliehen die Schulleiter ihre außerordentlich talentierten Schüler öfter mal gegen gutes Geld an Filmstudios.

Hintergründe zum Auftritt

Bei dem Auftritt in der Folge „Ein Schiff kam nach Hongkong“ von „Tennisschläger und Kanonen“ handelt es sich dabei nicht um einen gebuchten Auftritt der Akrobatikgruppe. Das Straßenfest, was hier festgehalten wurde und somit als historisches Dokument in der Geschichte Chinas und Hongkongs gilt, wurde zu Ehren des Geburtstags von Tin Hau abgehalten, ein lokales Fest zu Ehren der Götting der See und der Schutzpatronin der Fischer (kein offizieller Feiertag).

Der Geburtstag von Tin Hau wird jährlich am 23. Tag des dritten Mondes nach dem Mondkalender gefeiert. Anhand dieser Daten lässt sich der Tag der Aufnahme genau bestimmen und somit das Alter der Mitglieder der Seven Little Fortunes. Rechnet man vom Mondkalender in den Sonnenkalender um, fand das Straßenfest an einem Sonntag statt, dem 25. April 1965. Das bedeutet, dass Jackie Chan bei diesen Aufnahmen gerade seinen 11. Geburtstag hinter sich hatte (*7. April 1954). Das Fest wurde in Yuen Long abgehalten, einem Distrikt in den New Territories.

Es liegt nahe, dass Meister Yu Jim-Yuen regelmäßig mit seinen besten Schülern, der Gruppe Seven Little Fortunes, an diesen Festivitäten teilnahm. Dank der US-Serie wurde dieser seltene Auftritt für die Ewigkeit festgehalten. Doch wer sind nun die abgebildeten Seven Little Fortunes genau?

Dies sind die Mitglieder der Seven Little Fortunes

Auf diesem Bild sieht man alle der sieben Mitglieder der Seven Little Fortunes. Von links nach rechts ergibt sich folgende Aufstellung: Jackie Chan (Yuen Lo), Yuen Miu, Yuen Tai, Yuen Qiu (vorne links), Yuen Wah (hinten), Sammo Hung (Yuen Lung, vorne rechts), Yuen Biao.

Die Namen in Klammern sind die damaligen Bühnennamen der Stars, manche haben ihn ihrem Meister Yu Jim-Yuen zu Ehren nie abgelegt; die Namen in Kursivschrift können nur zu 90 % genau zugeordnet werden. Hinweise werden gerne angenommen, recherchiert und aktualisiert.

Szene aus ''Tennisschläger und Kanonen'' Folge 9 Staffel 1 ''Ein Schiff kam nach Hongkong'' (1965) - copyright 1965 by National Broadcasting Company (NBC), NBC Film & Peter Rodgers Organization

Foto: Szene aus ''Tennisschläger und Kanonen'' Folge 9 Staffel 1 ''Ein Schiff kam nach Hongkong'' (1965) - copyright 1965 by National Broadcasting Company (NBC), NBC Film & Peter Rodgers Organization

In weiser Voraussicht

Wussten die Produzenten etwa, dass sie hier kommende Stars bei der harten Arbeit filmen? War den US-Produzenten klar, dass aus den vielen Yuens individuelle Karrieren entstehen würden, die die Filmwelt Hongkongs und danach der gesamten Action-Branche auf den Kopf stellten? Wohl eher nicht. Und dennoch haben die Berater von NBC ordentlich recherchiert, um dieses einmalige Eventspektakel für ihre Serie in den Westen importieren zu können. Denn im Jahr 1965 wurde ein anderer Tin-Hau-Tempel in Sai Kung vollständig renoviert, was in ganz Hongkong Schlagzeilen machte.

Es ist zudem ein romantischer Gedanke, dass diese Aufnahmen der erste auf Film gebannte, kommerziell vermarkte Auftritt der Drei Brüder Sammo Hung, Jackie Chan und Yuen Biao überhaupt darstellt.

Hier noch einmal der Ausschnitt separat.

Ausstrahlungen und Veröffentlichungen der TV-Serie

Die originale TV-Serie „I Spy“ lief im US-Fernsehen drei Staffeln lang von 1965 bis 1968 auf NBC. Insgesamt wurden 82 Episoden gedreht, die Bill Cosby zu drei Emmys in Folge verhalfen, der somit auch als erster Afroamerikaner überhaupt Emmy gewann. Die deutsche Erstausstrahlung begann am 11. Juni 1968 im ZDF mit nur 26 ausgewählten Episoden unter dem Titel „Tennisschläger und Kanonen“ statt. Ende der 1970er Jahre gab es weitere 29 Folgen im Abendprogramm der ARD unter dem neuen Titel „Tennis lieber als Kanonen“. Sogar der Privatsender ProSieben zeigte diese neuen Folgen und fügte 1991 fünf weitere in seinem Abendprogramm unter dem dritten Titel „Tennis, Schläger und Kanonen“ auf. Die restlichen Folgen sowie Wiederholungen fanden auf diversen Sendern im deutschsprachigen Raum statt.

Im Jahr 2005 wurde die erste Staffel endlich auf DVD in Deutschland veröffentlicht, 2006 folgten Staffel zwei und drei. Man hatte wohl nicht mit solch einem nachhaltigen Erfolg gerechnet, gingen doch schon bald die Bestände zuneige, sodass die DVD-Box-Sets von Kinowelt zu heiß begehrten Sammlerobjekten wurden. Eine Neuauflage wurde wohl nie produziert, und somit wird die gesamte Serie in bestem Zustand bei ebay-Deutschland schon mal für mehrere Hundert Euro gehandelt.

Der Distributor STUDIOCANAL, der 2011 die lizenzhabende Kinowelt GmbH übernahm, scheint aller Ansicht nach die Rechte an der Serie nicht mehr zu besitzen. Es ist also unwahrscheinlich, dass sich Fans in der nächsten Zeit auf eine Neuauflage von „Tennisschläger und Kanonen“ mit Bill Cosby und Robert Culp freuen dürften.

Gute Nachrichten für Jackie-Chan-Fans

Für alle Fans von Jackie Chan gilt es, die Augen offen zu halten, denn Staffel eins gibt es schon öfter mal ab 60 Euro bei Amazon Marketplace oder ebay-Deutschland. Wenn es nicht unbedingt die deutschsprachige Version sein muss, denn Jackie Chan und die anderen Seven Little Fortunes haben keinen Text, lässt sich problemlos zwischen mehreren US- und UK-Versionen der Spionageserie wählen.

Text © Thorsten Boose

Letzte Änderung dieser Seite: 12.05.2018 13:08 Uhr

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Über den Autor

Thorsten BooseJackie Chans Filme und das Hongkong-Kino allgemein haben mich früh geprägt. Heute verbinde ich meine Leidenschaft zum Film mit dem Beruflichen, indem ich über die Hongkong-Filmlegende schreibe. Dabei habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, rund um Jackie Chan als Experte und Historiker für deutschsprachige Fans für Aufklärung zu sorgen.

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Thorsten Boose (*1986), Jackie-Chan-Filmexperte und Autor mehrerer Bücher über die Hongkong-Filmlegende.

Seit 2008 bin ich schriftstellerisch aktiv. Schon vor und während meines Designstudiums habe ich mich mit den unterschiedlichsten Textarten freiberuflich auseinandergesetzt. Seitdem übernehme ich Auftragsarbeiten aus allen Bereichen der Text- und Konzeptionsarbeit. Neben bisher über 50 Publikationen in unterschiedlichen Themenbereichen arbeite ich zudem kontinuierlich an eigenen Büchern, eBooks und Theaterstücken.

Als Ausgleich zur zeitfressenden, aber spannenden Arbeit als Jackie-Chan-Filmexperte und Historiker widme ich mich auch der Kampfkunst. Neben Kickboxen betreibe ich auch Wing Chun und verinnerliche die Lehren von Bruce Lees Jeet Kune Do. Wie Jackie Chan in seinen Filmen gehe ich so aus Leidenschaft meinem eigenen Stil nach.

© 2008-2017 | Thorsten Boose | Autor & Jackie-Chan-Experte ImpressumGeschäftlicher Kontakt

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