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Entdeckung: Jackie Chan dank Vergleich von Filmaufnahmen in »The Golden Hairpin« von 1963 entdeckt?

Zu den Recherchen meines neuen Buches »Der neue deutsche Jackie Chan Filmführer« bin ich schon vor längerem auf einen Film gestoßen, in dem eventuell ein junger Jackie Chan zu sehen ist. In dem kaum bekannten und noch weniger beworbenen Vierteiler »The Golden Hairpin« von 1963/1964 wurden einige Kinderdarsteller rekrutiert – und einer von ihnen gleicht dem heute weltweit bekannten Star aus Hongkong.

Jackie Chan besuchte ab 1961 die China Drama Academy, eine strenge Schule unter Leitung des Meisters Yu Jim-Yuen, der seinen Schülern die traditionelle Kunst der Pekingoper mitsamt Akrobatik, Gesang, Tanz und Kampfkunst beibrachte. Zu Jackies Schulkameraden gehörten damals schon Sammo Hung, Yuen Biao, Yuen Wah, Cory Yuen Kwai und andere, die danach steile Filmkarrieren hingelegt haben.

Die Kunst der Pekingoper wurde über Generationen traditionell auf einer Bühne vor hunderten von Leuten aufgeführt. Doch bereits Anfang der 1960er Jahre zeichnete sich ein Absinken des gesellschaftlichen Interesses daran ab. Schuld daran waren die immer aufwändiger produzierten Kinofilme genauso wie das Verbreiten des Fernsehens – auch Hongkong erlebte seine Wirtschaftswunderjahre.

Die Gründung der Seven Little Fortunes

In diesen schnelllebigen Zeiten war Meister Yu Jim-Yuen gezwungen zu handeln. Erst 1959 gründete er die Seven Little Fortunes, eine Truppe aus seinen sieben besten Schülern. Diese »sieben kleinen Glücksbringer« waren lange Zeit das Highlight bei Festivitäten, Straßenzügen und Bühnenauftritten in Hongkong (siehe auch »Sensation: Jackie Chan in alter Bill-Cosby-Fernsehserie aus den 60ern entdeckt!« hier klicken ). Anfang der 1960er verlieh er seine besten Talente zusätzlich an Filmstudios, die auf der Suche nach günstigen Komparsen und talentierten Kinderdarstellern waren. Die Einnahmen flossen zu 100 % in die Taschen von Meister Yu Jim-Yuen.

So hieß es in der ersten Autobiografie von Jackie Chan "My Life in Action". Doch 2015 wurde er genauer, sinngemäß: "5 von den 65 Dollar durften wir behalten. Nachdem Sammo Hung die Schule mit den Worten verlassen hatte 'Die Peking-Oper ist tot, die Zukunft ist der Film, und ihr werdet ausgebeutet' und Yuen Tai seine Nachfolge antrat, machte sich eine Revolution breit. Wir kämpften für mehr von unserem eigenen Lohn und wurden durch den mutigen Einsatz vom Großen Bruder Yuen Tai schließlich mit 35 Dollar beteiligt." (Quelle: "Never Grow Up")

Für Jackie Chan, Sammo Hung, Yuen Biao und die anderen waren die Arbeiten am Filmset eine willkommene Abwechslung zu den malträtierenden Maßnahmen in der China Drama Academy. Sie fühlten sich frei, stark und wurden oft von den weiblichen Filmstars bemuttert. So gelangte Jackie Chan zu seiner ersten Filmrolle in »The 7 Tyrants Of Jiangnan« (1962) (auch bekannt als »Big And Little Wong Tin Bar«).

Jackie Chan in »The Golden Hairpin (Part 1)«?

Danach folgten weitere Filme als Kinderdarsteller, die heute bekannt und teilweise sogar auf DVD erhältlich sind. Doch vor einiger Zeit habe ich eine Entdeckung gemacht, als ich mir alte Aufnahmen für mein neues Buch »Der neue deutsche Jackie Chan Filmführer« ansah. Mir fiel ein kleiner Junge im Film »The Golden Hairpin (Part 1)« (1963) auf. In den ersten Minuten des Films sieht man eine Szene, in der mittig vom Bild ein auffälliger Junge in Kostüm steht. Einen Ausschnitt davon habe ich online zur Verfügung gestellt.

Kann dies wirklich Jackie Chan sein? Diese Frage stellte ich mir just im Moment und notierte mir den Timecode der Szene. Auch beim Anschauen des zweiten Teils mit dem Titel »The Golden Hairpin (Part 2)« (1963) fiel mir ein Jungdarsteller auf, der Ähnlichkeit zu Jackie Chan aufwies. Doch eins nach dem anderen. Erst vergleichen wir ein paar Aufnahmen; der rote Pfeil zeigt in Richtung des zu vergleichenden Kindes.

Hinweis: In den Filmen »The 7 Tyrants Of Jiangnan« (1962) und »The Story Of Qin Xiang-Lian« (1963) ist Jackie Chans Beteiligung offiziell bestätigt.

Szene aus ''The 7 Tyrants Of Jiangnan'' (1962), ''The Golden Hairpin (Part 1)'' (1963) und ''The Story Of Qin Xiang-Lian'' (1963) - copyright 1962 by The Wing-Scope Film Production, copyright 1963 by Sin Hok Gong Luen und copyright 1963 by Cathay Studio

Mit einem leicht nach oben zur Seite gedrehten Kopf erkennt man einen in den ersten beiden Filmen noch mit leichtem Babyspeck behafteten Jungdarsteller, der mimisch sehr an Jackie Chan erinnert.

Szene aus ''The 7 Tyrants Of Jiangnan'' (1962), ''The Golden Hairpin (Part 1)'' (1963) und ''The Story Of Qin Xiang-Lian'' (1963) - copyright 1962 by The Wing-Scope Film Production, copyright 1963 by Sin Hok Gong Luen und copyright 1963 by Cathay Studio

Zum Vergleich gibt es hier zwei Szenen, in denen der junge Chan (links) und der Jungdarsteller, der ihm ähnelt (mitte), seine Hände in die Hüften stemmt.

Szene aus ''The 7 Tyrants Of Jiangnan'' (1962), ''The Golden Hairpin (Part 1)'' (1963) und ''The Story Of Qin Xiang-Lian'' (1963) - copyright 1962 by The Wing-Scope Film Production, copyright 1963 by Sin Hok Gong Luen und copyright 1963 by Cathay Studio

Und zuletzt Aufnahmen aus allen drei Filmen, die den jungen Chan und den Jungdarsteller, der ihm ähnelt, im Profil zeigen.

Zahlen, Daten & Fakten

Neben den Vergleichsfotos sind auch die Produktionsdaten sehr interessant. »The 7 Tyrants Of Jiangnan« ist ein sogenannter Sieben-Tage-Film, der in kürzester Zeit abgedreht wurde. Sein Leinwanddebüt feierte er am 5. Dezember 1962. Nur acht Monate später, nämlich am 28. August 1963, kam »The Golden Hairpin (Part 1)« in die Kinos, Teil zwei am 4. September desselben Jahres. Der erste Teil wurde parallel mit Teil zwei gedreht, Teil drei parallel mit Teil vier, und befand sich, auch wegen diverser größerer Szenen, viel länger in Produktion als »The 7 Tyrants Of Jiangnan«. Weitere vier Monate später, genau ab dem 21. Dezember 1963, lief dann »The Story of Qin Xiang-Lian« im Kino.

Festzuhalten ist also, dass die Zeitspanne zwischen den Produktionen von »The 7 Tyrants Of Jiangnan« und »The Golden Hairpin (Part 1 & 2)« nur wenige Monate – zwischen Dezember 1963 und April 1964 – betrug, wohingegen mit »The Story Of Qin Xiang-Lian« frühestens im Sommer 1963 begonnen wurde. Dieser zeitliche Faktor und die sicheren Auswirkungen des harten Trainings verbunden mit geringfügig ausgefallenen Mahlzeiten in der China Drama Academy auf Jackie Chan (dies berichtet er ausführlich in seiner ersten Autobiografie), lassen vermuten, dass er so seinen sichtbaren Babyspeck verlor. Die Unterschiede zwischen Dezember 1962 und Dezember 1963 sind deutlich erkennbar.

Jackie Chan auch in »The Golden Hairpin (Part 2)«?

Doch da gibt es ja noch Teil zwei der Golden-Hairpin-Saga. Auch hier habe ich relativ früh eine Szene entdeckt, in der ein paar Kinderdarsteller auftauchen. Hier zwei Vergleichsfotos, auf denen wiederum der rote Pfeil auf (den vermutlichen) Jackie Chan weist.

Szene aus ''The 7 Tyrants Of Jiangnan'' (1962), ''The Golden Hairpin (Part 1)'' (1963) und ''The Story Of Qin Xiang-Lian'' (1963) - copyright 1962 by The Wing-Scope Film Production, copyright 1963 by Sin Hok Gong Luen und copyright 1963 by Cathay Studio

Die Augenpartie sowie die gesamte Körperhaltung ähnelt stark dem jungen Jackie Chan, dessen Bewegungen man aus den anderen Filmen jener Zeit gut vergleichen kann.

Szene aus ''The 7 Tyrants Of Jiangnan'' (1962), ''The Golden Hairpin (Part 1)'' (1963) und ''The Story Of Qin Xiang-Lian'' (1963) - copyright 1962 by The Wing-Scope Film Production, copyright 1963 by Sin Hok Gong Luen und copyright 1963 by Cathay Studio

Doch was ist das? Die Szene schien zweimal gedreht und dann zusammengeschnitten worden zu sein. Denn im zweiten Bild erkennt man einen deutlicheren Unterschied zum echten und dem vermeintlich echten Jackie Chan. Oder spielt hier einem das Auge einen Streich aufgrund der doch recht schlechten Bildqualität?

Fazit

An dieser Stelle lässt sich kein eindeutiger Beleg für oder gegen Jackie Chans Mitarbeit in »The Golden Hairpin (Part 1 & 2)« finden. Die Fotos und Videos sprechen für sich, manch einer findet die Ähnlichkeit erstaunlich, manch anderer eben nicht. Offiziell wird Jackie Chan nicht gelistet.

Das Büro von Jackie Chan sowie das Hong Kong Film Archive (HKFA) sind bereits informiert und werden den Belegen hoffentlich weiter nachgehen. Bei Neuigkeiten werde ich natürlich berichten. Solange es keine offizielle Rückmeldung von Jackie Chan oder anderen Beteiligten zu dem Fall gibt, bleibt diese Entdeckung weiterhin fragwürdig.

Mehr zu diesem und weiteren Filmen von und mit Jackie Chan erfahren Sie in meinem neuen Buch »Der neue deutsche Jackie Chan Filmführer« (hier klicken ).

Text © Thorsten Boose

Letzte Änderung dieser Seite: 11.12.2018 12:20 Uhr

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Über den Autor

Thorsten BooseJackie Chans Filme und das Hongkong-Kino allgemein haben mich früh geprägt. Heute verbinde ich meine Leidenschaft zum Film mit dem Beruflichen, indem ich über die Hongkong-Filmlegende schreibe. Dabei habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, rund um Jackie Chan als Experte und Historiker für deutschsprachige Fans für Aufklärung zu sorgen.

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Thorsten Boose (*1986), Jackie-Chan-Filmexperte und Autor mehrerer Bücher über die Hongkong-Filmlegende.

Seit 2008 bin ich schriftstellerisch aktiv. Schon vor und während meines Designstudiums habe ich mich mit den unterschiedlichsten Textarten freiberuflich auseinandergesetzt. Seitdem übernehme ich Auftragsarbeiten aus allen Bereichen der Text- und Konzeptionsarbeit. Neben bisher über 50 Publikationen in unterschiedlichen Themenbereichen arbeite ich zudem kontinuierlich an eigenen Büchern, eBooks und Theaterstücken.

Als Ausgleich zur zeitfressenden, aber spannenden Arbeit als Jackie-Chan-Filmexperte und Historiker widme ich mich auch der Kampfkunst. Neben Kickboxen betreibe ich auch Wing Chun und verinnerliche die Lehren von Bruce Lees Jeet Kune Do. Wie Jackie Chan in seinen Filmen gehe ich so aus Leidenschaft meinem eigenen Stil nach.

© 2008-2017 | Thorsten Boose | Autor & Jackie-Chan-Experte ImpressumGeschäftlicher Kontakt

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