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Jackie Chan bald mit eigenem Musical in Hamburg, Köln und Stuttgart?

Dass Jackie Chan nicht nur Schauspieler und Sänger ist, dürfte mittlerweile auch dem letzten Europäer klar geworden sein, spätestens nachdem er den Titelsong zu seinem Blockbuster „The Foreigner“ mit Pierce Brosnan beisteuerte. Jetzt will Jackie Chan die Musical-Bühnen der Welt erobern, mit einem Stück basierend auf seinem Leben.

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Jackie Chans musikalische Karriere ist eng mit seiner Ausbildung in den Kampfkünsten verbunden. Als Kind lernte er die Kunst der Chinesischen Oper an der China Drama Academy in Hongkong, in der Akrobatik, Kampfkunst, Gesang und Tanz auf der Tagesordnung standen. Darüber habe ich ausführlich in meinem Artikel "Aufgeklärt: Jackie Chan ist nicht in „Come Drink With Me“ („Das Schwert der Gelben Tigerin“) von 1966 zu sehen" berichtet.

Nach seinen ersten großen Erfolgen an Hongkongs Kinokassen ab 1978 gab er öffentlich zu bekennen, dass er nicht nur ein großer Fan alter Stummfilmstars wie Harold Lloyd, Buster Keaton und Charlie Chaplin sei. Der Musikfilm „The Sound of Music“ (1965) ist sogar Jackie Chans Lieblingsfilm, den er sich mehrmals als Kind im Kino ansah. Auch Gene Kelly in „Singing in the Rain“ (1952) hat Jackie Chan so sehr inspiriert, dass er dem Klassiker in seinem Film „Shanghai Knights“ (2003) eine eigene Szene widmete.

Jackie Chan singt und tanzt sich durch seine Filme

Seinen ersten öffentlichen Beitrag zur modernen Popmusik lieferte Jackie Chan 1980 mit dem Titellied zu seinem Golden-Harvest-Einstiegsfilm „The Young Master“ (1980) ab. „Kung Fu Fighting Man“ ist nicht nur der Anfang einer sehr erfolgreichen Reihe von Filmsongs für Jackie-Chan-Filme, interpretiert vom Star höchst persönlich, sondern es ist auch der erste Song von ihm auf Englisch!

Das sehr poppige und disco-lastige Theme wird unter Fans bis heute stark gefeiert. Aber auch ernste Klänge drangen immer wieder in der Gesangskarriere von Jackie Chan durch, so auf diversen Alben, Kollaborationen und Filmliedern. Jackie Chan sagt über seine Filmkämpfe selbst:

„Ich muss meinen [Stunt]Leuten vertrauen können. Meine Kämpfe sind nicht wie früher, BÄM, und du liegst am Boden. Nein, bei mir geht es BABÄM BÄM DONG BÄM DODONG ZACK! Das ist wie ein Tanz mit eigenem Rhythmus. So choreographiere ich meine Kämpfe, wie einen Tanz.“

Doch damit nicht genug. Jackie Chan widmet 1989 mit dem Film „Miracles“ den klassischen Musikfilmen aus Hollywood seinen eigenen Beitrag und setzt damit neue Maßstäbe im Hongkong-Kino bezüglich Kamera- und Schnitttechnik sowie erzählerischer Struktur komplexerer Drehbücher.

Jackie Chan, ein Leben voller Action

Als 1998, mit dem internationalen Durchbruch seiner Filme, die erste Autobiografie des Schauspielers im englischen Original und später auch in diversen anderen Sprachen erschien, erfuhren Fans Dinge über ihren Helden, die so noch nie an die Öffentlichkeit kamen. Doch dies stellte erst den Anfang seiner neuen Filmkarriere in den USA dar, seitdem sind fast 20 Jahre vergangen und eine Menge hat sich verändert.

Wie Jackie Chan 2013 auf einer Pressekonferenz gegenüber dem Hollywood Reporter aussagte, arbeitete er zur damaligen Zeit bereits an einer Fortsetzung seiner Erfolgsbiografie.

„Das Originalbuch ist schon 15 Jahre alt. Meine Karriere hat seitdem eine Menge, wirklich sehr viel erlebt – es war spannend und interessant.“

Und nicht nur das. In einem Interview mit Late-Night-Moderator Conan O’Brien von 2010 erzählte Jackie Chan, dass er seit 2008 bereits Pläne habe, seine Autobiografie in ein Musical zu verwandeln. Was den kleinen Chan Kong-Sang als Kind prägte, sich im Sing Lung (Cheng Long) manifestierte und im Jackie Chan endlich Realität werden würde, sollte kurz bevor stehen: sein eigenes Musical.

Jackie Chan – das Musical

Während derselben Pressekonferenz gab Jackie Chan neben seinen Arbeiten an einer Fortsetzung seines ersten Buches an, dass die Pre-Production für sein geplantes Musical auf Hochtouren läuft. Zu der Zeit suchte man noch einen geeigneten Regisseur aus China, der Jackie Chans junges Leben gebührend auf der großen Bühne inszenieren konnte.

Mittlerweile erschien sogar die angekündigte zweite Autobiografie des Schauspielers unter dem ins Englische übersetzte Titel „Growing Old Before Growing Up“ – bisher leider nur auf Chinesisch und Russisch (an anderer Stelle schreibe ich separat darüber).

Am 22. April 2017 war es dann endlich soweit. Nach Jahren der Geheimniskrämerei und kaum Informationen für die interessierte Öffentlichkeit feierte das Musical „I am Jackie Chan“ in Peking an drei aufeinanderfolgenden Tagen Premiere. Schauspieler Jackie Chan berichtete in seinem Online-Tagebuch darüber (www.jackiechan.com/blog/2017/04/):

„Wir sahen uns alle das Stück an und ich diskutierte währenddessen mit dem Regisseur, was man noch verbessern konnte. Doch als die Schauspielerin, die meine Mutter spielte, auf die Bühne kam, liefen mir Tränen die Wange herunter. Das ganze Stück über war ich so emotional.“

Der mittlerweile 63-jährige Chan dachte an seine Kindheit zurück, als seine Eltern arm waren, wie er zur Schule ging und seine Eltern nach Australien auswanderten. Jackie Chan wurde zum Workaholic im Filmgeschäft und, wie er selbst zugibt, ein nicht ganz so guter Mensch und Sohn, was er heute sehr bereue.

Ein emotionales Manifest fand im April, nur wenige Wochen nach Jackie Chans Geburtstag ein Ende, indem der Schauspieler Regisseur Zhou Wen Jun und seinem gesamten Ensemble für die vergangenen Jahre harter Arbeit am Musical „I am Jackie Chan“ dankte. Für Jackie ging somit in diesem Jahr ein weiterer Traum in Erfüllung, doch er hat noch Großes vor:

„Hoffentlich wird es das Musical nach Übersee schaffen, wo junge Künstler die Chance bekommen, dort ihr Bestes zu geben.“

Jackie Chan goes Broadway

Auch wenn die Vorstellung extraordinär ist, aber die Wege dafür wohl bereits geebnet werden, so stellten die drei Tage der Premierenaufführung von „I am Jackie Chan“ lediglich eine Art der Generalprobe dar. Jackie Chan will ganz sicher gehen, dass sein Start ins Musical-Geschäft keine Blamage wird – für ihn und für China.

Wird man Jackie Chan also bald auf dem Broadway erleben können, zumindest was die Handlung des Musicals angeht? Und wird es dieses exotische Bühnenstück auch nach Deutschland schaffen, vielleicht in die Elbphilharmonie in Hamburg oder im SI-Centrum in Stuttgart? Wie sieht es mit einem Soundtrack auf CD und Vinyl aus mit den Musical-Songs?

Viele Fragen, wenige Antworten. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nur eines sagen: Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis aus einem Privatmusical für den König der Kung-Fu-Komödie ein kommerziell taugliches Abendbühnenprogramm wird, das mit Klassikern wie „We will rock you“, „König der Löwen“ und „Cats“ konkurrieren kann oder zumindest ein Teil dieser magischen Welt wird.

Jackie Chan tanzt Bollywood

Vielleicht ist es für die Theaterbetreiber am Broadway und im Rest der Welt ja ein Anreiz, wenn Jackie Chan höchstpersönlich in einer Szene auftreten würde. Wer Bollywood kann, kann auch Musical, ich jedenfalls traue es Jackie Chan zu.

Text © Thorsten Boose

Letzte Änderung dieser Seite: 12.05.2018 13:08 Uhr

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Über den Autor

Thorsten BooseJackie Chans Filme und das Hongkong-Kino allgemein haben mich früh geprägt. Heute verbinde ich meine Leidenschaft zum Film mit dem Beruflichen, indem ich über die Hongkong-Filmlegende schreibe. Dabei habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, rund um Jackie Chan als Experte und Historiker für deutschsprachige Fans für Aufklärung zu sorgen.

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Thorsten Boose (*1986), Jackie-Chan-Filmexperte und Autor mehrerer Bücher über die Hongkong-Filmlegende.

Seit 2008 bin ich schriftstellerisch aktiv. Schon vor und während meines Designstudiums habe ich mich mit den unterschiedlichsten Textarten freiberuflich auseinandergesetzt. Seitdem übernehme ich Auftragsarbeiten aus allen Bereichen der Text- und Konzeptionsarbeit. Neben bisher über 50 Publikationen in unterschiedlichen Themenbereichen arbeite ich zudem kontinuierlich an eigenen Büchern, eBooks und Theaterstücken.

Als Ausgleich zur zeitfressenden, aber spannenden Arbeit als Jackie-Chan-Filmexperte und Historiker widme ich mich auch der Kampfkunst. Neben Kickboxen betreibe ich auch Wing Chun und verinnerliche die Lehren von Bruce Lees Jeet Kune Do. Wie Jackie Chan in seinen Filmen gehe ich so aus Leidenschaft meinem eigenen Stil nach.

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